Bericht der Polizeibeauftragten

Ich hätte mir damals eine Institution wie die der Polizeibeauftragten aus zweierlei Gründen gewünscht: Für die junge Polizeibeamtin und für den jungen Schwarzen, der keinerlei Beschwerdemacht hat.

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Bericht der Beauftragten für die Landespolizei Schleswig-Holstein bei dem Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtages Tätigkeitsbericht 2016–2018 (Drs. 19/2250)

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Anfang der 90er Jahre war ich junge Polizistin. Ich war stolz, meine Uniform zu tragen und die innere Verbundenheit zur Polizei, die daraus erwachsen ist, verspüre ich noch heute. Und die lasse ich mir auch von niemandem absprechen. Mein Dank gilt deshalb allen Polizist:innen, die ihren Job engagiert und mit Herz und Verstand ausüben und für genau diese Kolleg:innen werde ich meine Rede jetzt so halten, wie ich sie halte.

Anfang der 90er Jahre war ich einer Einheit zugeordnet, die die Aufgabe hatte, den Straßendeal auf St. Pauli und St. Georg zu bekämpfen. Ich war mit tollen, netten und fürsorglichen Kollegen Tag und Nacht unterwegs. Der Drogenmarkt war aufgeteilt unter verschiedenen Gruppen. Gegen Abend waren wir am Steindamm, Ecke Steintordamm, und kontrollierten einen jungen Schwarzen, der gerade den U-Bahnaufgang hochkam. Er lächelte uns an. Er war eine gepflegte Erscheinung. Er sprach perfektes Deutsch und war Student. Dieser junge Mann hatte keinen Ausweis dabei und reichte uns als Ersatz seine HVV Karte. Einer meiner Kollegen nahm die Jahreskarte, zerriss sie lächelnd in tausend Teile und sagte: ‚Das ist kein Ausweis. Merk dir das! ‘ Dann drehte sich die Polizeitruppe um und entschwand. Ich war wie vom Donner gerührt aber ich habe auch nichts gesagt in dem Moment. Ich habe damals nicht widersprochen und nicht Partei ergriffen. Ich habe 30 Jahre lang darüber geschwiegen aber ich habe es auch 30 Jahre lang nicht vergessen. Und mir war schon immer klar, dass Rassismus dort anfängt, wo nicht widersprochen wird. Aber es war für mich das erste Mal, dass ich mit Anfang 20 so etwas erlebte und ich darf Ihnen sagen, ich habe mich geschämt.

Ich hätte mir damals eine Institution wie die der Polizeibeauftragten aus zweierlei Gründen gewünscht: Für die junge Polizeibeamtin und für den jungen Schwarzen, der keinerlei Beschwerdemacht hat. Ich kann für mich in Anspruch nehmen, dass ich in anderen vergleichbaren Situationen weder dienstlich noch privat nochmal geschwiegen hätte. Und wer mich kennt, der weiß das auch. Aber ich weiß auch, wie schwer es sein kann, das Richtige zu tun und unsere Polizeibeauftragte mit ihrer Dienststelle hilft dabei. Sie hilft jenseits von Hierarchien überparteilich und vermittelnd. Sie bringt Menschen ins Gespräch und damit hilft sie Bürgerinnen und Bürgern, Polizistinnen und Polizisten gleichermaßen und dafür, Frau El Samadoni, gilt Ihnen mein persönlicher Dank.