Gibt es „Racial Profiling” bei unseren Sicherheitsbehörden?

Da das erwiesenermaßen kein Einzelfall ist, sollten wir die Augen nicht vor der Wirklichkeit verschließen, auch wenn das unbequem ist. Es gibt „Racial Profiling“ und es ist auch klar, dass die Grenzen verschwimmen.

Bild: useche70 (pixabay)

Zur aktuellen Diskussion um die Studie der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) zum „Racial Profiling“

In einer Diskussion sagte mir ein türkischer Azubi dazu vor Kurzem: „Ich kann zur Polizei so freundlich sein wie ich will, ich bekomme diese Höflichkeit einfach nicht zurück. Polizistenerklären mir dann, sie würden Leute wie mich kennen.“Da das erwiesenermaßen kein Einzelfall ist, sollten wir die Augen nicht vor der Wirklichkeit verschließen, auch wenn das unbequem ist. Es gibt „Racial Profiling“und es ist auch klar, dass die Grenzen verschwimmen. Ursache für eine Personenkontrolle sollte aber immer eine Verdachtslage sein und nicht die vermutete ethnische Herkunft. Im Kern geht esdoch um die Frage, ob Polizist*innen im Laufe ihres langen Einsatzlebens sensibel bleiben für alle sich ergebenden Verdachtsmomente oderob ein selektiver Blick einsetzt. Jede/r gute Polizist*in hinterfragt sich da hin und wieder selbst. Einige wenige nicht.Wir begrüßen die Studie der Europäischen Kommission und die daraus abgeleiteten Forderungen.

Dass Innenminister Seehofer nach anfänglich positiven Signalen nun zurückrudert, lässt vermuten, dass er auch diesmal nicht an dem Problem scheitern wird, sondern am Umgang damit. Nur eine sachliche, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglicht es der Polizei, sich in dem Themenbereich weiterzuentwickeln. Sie könnte hier eine gesellschaftliche Vorbildfunktion einnehmen und damit einen offenen, gesellschaftlichen Diskurs befördern. Herr Seehofer wäre herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Seinen Mitarbeiter, derschon mal vorgearbeitet hat, dürfte er gerne mitbringen!