Rassismus und Polizeigewalt

Bild: jackmac34 (pixabay)

Als Polizeibeamtin aus Hamburgund Landtagsabgeordnete aus Schleswig-Holsteinmöchte auch ich mich zum Thema Polizeigewalt und Rassismusprobleme äußern. Ich finde es nicht hilfreich, dass in die verständliche, kritische und Berichterstattung über Amerika eine System-kritik für die deutsche Polizei abgeleitet wird. Das ist nicht richtig und nicht gerecht. Allein die Ausbildungsdauer von 2,5-3 Jahren in Deutschland und wenigen Wochen in Amerika zeigt, dass das so nichtvergleichbar ist.

Wie in jedem Land der Welt gibt es auch in Deutschland Alltagsrassismus. Damit hat dann auch die Polizei in Deutschland ein Alltagsrassismusproblem. Unsere 16 Bundesländer gehen damit durchaus unterschiedlich um. Grundsätzlich gibt es, davon bin ich überzeugt, deutschlandweit bei der Polizei ein vorhandenes Bewusstsein für die besondere Verantwortung die ein Polizist/eine Polizistin durch das Gewaltmonopol hat.Ich möchte hier nur für Schleswig-Holstein (wo ich Abgeordnete bin) und Hamburg (wo ich fast 30 Jahre Polizistin war) sprechen. Beide Bundesländer unternehmen erhebliche Anstrengungen, um ihre Polizeischüler:innen gut vorbereitet und sozialtauglich auf die Straße zu bringen. Das gelingt auch in den allermeisten Fällen.

Was in meinen Augen bis heute fehlt, ist tatsächlich eine allgemein akzeptierte und flächendeckend eingeführte Supervision für Polizeibeamte. Das würde es leichter machen, in einem geschützten Raum interne Konflikte, „Störgefühle“ und kritische Einsätze innerhalb dereigenen Bezugsgruppe zu besprechen. Leider versteht die Polizei bis heute nicht wirklich, dass dies ein Riesengeschenk wäre. Bei anderen sozialen Berufen gehört es zum professionellen Berufsalltag. Interne Fehler-und Diskussionskultur weiterzuentwickeln, ist eine große, ständige Aufgabe für jede Polizei. Kritik und Selbstkritik zu üben, muss man üben. Das ist Chefsache, aber nicht immer vom Chef zu moderieren!

Wir brauchen:

  • Mehr Sensibilität für das Thema Diskriminierung und Rassismus von Kindesbeinen an, und dementsprechend mehr schulische Inhalte dazu.
  • Mehr Zivilcourageprojekte in unserer Gesellschaft und in der Polizei.
  • Unabhängige Beschwerdestellen in Bezug auf die Polizei (Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz haben sie). Die Polizeibeauftragte in Schleswig-Holstein macht einen super Job und ist dafür sehr anerkannt.
  • Mehr Bemühungen um Menschen mit Migrationshintergrund für die Ausbildung in der Polizei und in der Justiz.
  • Polizeiliche Akzeptanz für interne Supervision in der Polizei.