Deutsch-israelische Jugend besucht den Landtag

Gemeinsam mit meinem Fraktionskollegen Heiner Dunckel durfte ich in dieser Woche Jugendliche des Kreissportverbandes Nordfriesland und ihre israelischen Gäste begrüßen. Seit knapp 10 Jahren organisiert die Sportjugend des Verbandes diesen Jugendaustausch. Dabei steht die Idee der Völkerverständigung und des gemeinsamen Lernens im Vordergrund. In diesem Jahr sind 15 Jugendliche aus dem Ort Petach Tikva, östlich von Tel Aviv, gemeinsam mit ihren Betreuern angereist. Der Besuch im Schleswig-Holsteinischen Landtag begannmit einer Führung durch das Landeshaus und einem Überblick über das politische System. Neu war für die israelischen Jugendlichen die Aufteilung in 16 Bundesländer und die Besonderheit Schleswig-Holsteins, dass Minderheiten von der 5-Prozent-Hürde ausgenommen sind. Dies ermöglicht dem SSW, der sich für dänische und friesische Minderheiten einsetzt, mit drei Sitzen im Landtag vertreten zu sein. Bei einem anschließenden Gespräch hatten die Jugendlichen die Gelegenheit, ihre Fragen an uns zu richten. Ein wichtiges Thema war der deutsche Umgang mit dem zweiten Weltkrieg und dem Holocaust. Heiner Dunckel und ich haben deutlich gemacht, dass wir uns unserer Verantwortung sehr bewusst sind, dass sich derartiges nie wiederholen wird. Dazu gehört es, die Erinnerung weiter aufrechtzuerhalten.

Ich selber habe im vergangenen Jahr an einem Zeitzeugengespräch an der Polizeischule in Eutin teilgenommen. Es ist außerordentlich wichtig, Entscheidungsträger und die Gesellschaft insgesamt für ihre Geschichte zu sensibilisieren. Das ist in den letzten Jahren mit der Zunahme der Flüchtlinge in Deutschland besonders deutlich geworden. Die Verrohung der Sprache, physische Übergriffe und die Wahl der AfD auf Länder-und Bundesebene sind Zeichen für eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung. Heiner Dunckel hat die Integration der neuankommenden Menschen als Generationenaufgabe beschrieben, die wir nur gut meistern können, wenn die Infrastruktur der Hilfeeinrichtungen weiter unterhalten und nicht in den Kommunen zurückfahren. Eine weitere Herausforderung, der wir uns Stellen müssen ist der Klimawandel. Die Jugendlichen haben sich sehr für die umweltpolitischen Bemühungen in Norddeutschland interessiert. In Schleswig-Holstein sind wir Vorreiter in Sachen Windenergie und haben ein neues Aufforstungsprogramm gestartet zur Pflanzung von 40.000 neuen Bäumen. Auch im Kleinen sind wir aktiv geworden: der Landtag hat vor seiner Sommerpause dafür gestimmt, sämtliches Einweggeschirr in Schleswig-Holsteinischen Einrichtungen zu verbieten. Das Engagement der Schüler*innen bei den weltweiten Fridays for Future Demonstrationen, hat die Wichtigkeit und Dringlichkeit zu Handeln noch einmal verstärkt. Das vielfältige Interesse an unserer demokratischen Struktur und auch unserer praktischen Politik in Sachen Klimaschutz haben mich sehr positiv berührt. Leider war nicht die Zeit vorhanden, Vergleiche zwischen Israel und Deutschland anzustellen. Das hätte mich sehr interessiert.