Wohnungsmarkt nicht sich selbst überlassen – Podiumsdiskussion über zeitgemäßes wohnen

Rund 60 Personen besuchten am Montag die gemeinsame Veranstaltung des SPD Ortsvereins Geesthacht und der SPD-Landtagsabgeordneten Kathrin Wagner-Bockey. Der Abend stand im Zeichen der aktuellen Schwierigkeiten, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Gespräch mit Wagner-Bockey waren die wohnungsbaupolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Özlem Ünsal, der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes Jochen Kiersch sowie Markus Prang, Geschäftsführer der WoGee.

Einig waren sich die Diskutanten, dass Wohnraum in Schleswig-Holstein fehlt und für viele Menschen nur noch schwer zu bezahlen ist. Eine Millionen Haushalte bundesweit müssten bis zu 50 Prozent ihres Einkommens für die Miete aufbringen, erklärte Ünsal. Wohnungsraum dürfe kein Luxusgut sein, sondern sei ein Grundrecht. Ünsal kritisierte die Landesregierung, welche die Abschaffung der Mietpreisbremse fordert. Der Wohnungsmarkt dürfe nicht sich selbst überlassen werden. Die hohen Kosten seien auch die Folge von zu wenig Wohnraum, erklärte Kiersch: „In Schleswig-Holstein wird zu wenig gebaut. Wir brauchen nicht nur neue Wohnungen, sondern müssen zusätzlich den Altbestand alle paar Jahrzehnte erneuern. Mittlerweile ist die Situation wirklich prekär“. Trotzdem sieht Kiersch viele Möglichkeiten, um die hohen Kosten abzumildern. Wagner-Bockey wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Veränderungen zur Landesbauordnung, die gerade in den Gremien diskutiert wird, nur ein Baustein von vielen ist.  „Dachgeschossausbau zu erleichtern, diese Maßnahme hatten wir direkt nach der Grenzöffnung schon einmal. Der maximal mögliche Erfolg ist deshalb sehr begrenzt“.  Özlem Ünsal ergänzt, dass Genossenschaften und Baugesellschaften in kommunaler Hand aktiv gegen Mietpreiswucher wirken und dass sie gleichzeitig Motor für Wohnungsbau sind. Hier brauche es mehr Förderung durch das Land. Geesthacht geht mit gutem Beispiel voran. 2013 wurde die WoGee gegründet. Aktuell besitzt die städtische Wohnungsgesellschaft 200 Wohneinheiten, viele davon sozial gefördert. Zusätzlich kommt Geesthacht die Sozialklausel von 25 Prozent öffentlich gefördertem Wohnraum bei Neubauten zugute. Eingeführt wurde sie auf Betreiben der SPD zusammen mit den Grünen und der FDP. Damit werde mehr getan, als in vielen anderen Städten lobte Prang, trotzdem sei der Druck auch hier enorm. Viele Hamburger seien auf der Suche nach günstigen Wohnungen in Geesthacht.  Wagner-Bockey nahm dies noch mal zum Anlass darauf hinzuweisen, dass beim Bebauungsgebiet Finkenweg Nord Regelungen getroffen werden müssten, bei denen Geesthachter bevorzugt zum Zuge kommen.